Storkow-Tourismus: Von der Burg aus ins Grüne

Franziska Kowalsky vom Besucherzentrum des Naturparks packt Kisten. Einige frühere Exponate übernimmt Thomas Mertke von der Naturwacht. Foto: Marcel Gäding
Franziska Kowalsky vom Besucherzentrum des Naturparks packt Kisten. Einige frühere Exponate übernimmt Thomas Mertke von der Naturwacht. Foto: Marcel Gäding

Die Burg Storkow schärft ihr Profil: Stärker als bisher soll sie Ausgangspunkt für Rad- und Wandertouren im Naturpark Dahme-Heideseen werden und Besucher der Stadt zu Ausflügen in die wald- und seenreiche Natur animieren. Dafür wird derzeit unter anderem die Dauerausstellung überarbeitet und unter dem Namen „Storkower Weggefährten“ neue Tourentipps erarbeitet.

Das Haupthaus der Burg Storkow ist eine einzige Baustelle. Auf allen Etagen stehen Kisten, an den Wänden lehnen Ausstellungswände. Weil wegen des Lockdowns aktuell ohnehin keine Besucher empfangen werden können, nutzen Sabine Merker und ihr Team die Gelegenheit, die verschiedenen Bereiche der Burg umzugestalten. „Die Burg ist ein fester Bestandteil des Naturparks Dahme-Heideseen“, sagt die Tourismus- und Marketingleiterin der Stadt Storkow (Mark). Daher werden künftig alle Ausstellungsbereiche und die touristischen Angebote viel stärker verzahnt und aufeinander abgestimmt. „Wir wollen die Leute mobilisieren und die Region erlebbar machen“, sagt Sabine Merker. „Schließlich gibt es bei uns so viel zu entdecken!“ Man habe die Zeit der Corona-Pandemie genutzt, um an neuen Konzepten zu arbeiten.

Ein erster Teil wird bereits im Frühjahr umgesetzt: Wenn alles klappt, eröffnet dann der erste Bereich der neuen NaturparkENTDECKER-Ausstellung im Erdgeschoss der Burg. Die alte Schau „Mensch und Natur – Eine Zeitreise“ war 2009 entstanden und informierte über Schautafeln und Exponate über den Naturpark. Diesen Anspruch verfolgt auch die neue Ausstellung. „Unser zentrales Thema ist der Boden“, sagt Franziska Kowalsky, die Leiterin des Besucherzentrums. Bevor Einheimische und Touristen zu einer Wanderung, einer Radtour oder einer Bootsfahrt in die Umgebung aufbrechen, lernen sie Wissenswertes zur geografischen Beschaffenheit der Region kennen. Dafür werden in der Ausstellung unter dem Motto „Von staubtrocken bis pitschnass“ sechs Lieblingsecken eingerichtet, in denen das Burgteam auf den Sandlebensraum, den Kiefernwald, den Eichenmischwald, die Feuchtwiesen, den Erlenbruch und die Moore sowie auf die Gewässer eingeht. „Jede dieser Lieblingsecken ist gleichzeitig Lebensraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten“, sagt Franziska Kowalsky. Einige davon kommen beispielsweise nur im Naturpark Dahme-Heideseen vor. Unter ihnen ist die „Graue Skabiose“, eine Sandpflanze, die man am Glienitzberg in Bugk findet. Bundesweit eine Rarität ist auch der Hochmoorbläuling – ein Falter, den man mit viel Geduld rund um Storkow beobachten kann. Wer zudem einmal der Pokal-Azurjungfer begegnen möchte, muss ebenfalls einen Ausflug in den Naturpark machen, um diese seltene Libellenart zu sehen.

130.000 Euro werden aus Mitteln des „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“ (ELER) sowie der Stadt Storkow (Mark) für den ersten Teil der neuen Dauerausstellung bereitgestellt. Später sollen mit Geld aus dem EU-Förderprogramm LEADER das Untergeschoss und das Obergeschoss neugestaltet werden. Im Keller wird die Frage geklärt, wie die Böden in der Region entstanden sind. In der ersten Etage wiederum geht es künftig um die Geschichte von Storkow und der Region, erzählt anhand von Entdeckungen im Boden. Außerdem stehen 70.000 Euro aus ELER- und Landesmitteln sowie von der Stadt Storkow (Mark) für den behindertengerechten Umbau der Burg zur Verfügung.

Wandern, Rasten und Erholung in der Natur sind zudem Thema in der neuen Sonderausstellung: „Märkische Wanderer – unterwegs mit Stock, Klampfe, Rad und Boot“ ermöglicht ab Mai Einblicke in die Geschichte von Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Und dann sind da noch unter der Überschrift „Storkower Weggefährten“ die interaktiven Wander- und Radtouren, von denen die ersten fünf im Frühjahr genutzt werden können. Dabei handelt es sich um Vorschläge für Ausflüge, für die ein Smartphone Voraussetzung ist. An verschiedenen Punkten erhalten Ausflügler Informationen über Land und Leute sowie nützliche Tipps (wir berichteten) in deutscher, polnischer und englischer Sprache. Unterstützt wird das alles vom Team der Tourist-Information.

Dass die Natur der Region noch stärker in den Fokus der Burg Storkow rückt, ist für Sabine Merker nur konsequent und insbesondere der Lage geschuldet. „Wir zielen bewusst auf den Naturtourismus ab“, sagt die Amtsleiterin. „Wer nach Storkow kommt, der will Wasser, Ruhe, Radfahren oder wandern.“ Allerdings richtet sich das überarbeitete Ausstellungs- und Tourismusangebot ausdrücklich auch an die Menschen in der Region. „Wir wollen die Storkower zu Markenbotschaftern der Region machen, die überall herumerzählen, wie schön es bei uns ist.“

Lob für die Umgestaltung von Ausstellung und den neuen touristischen Angeboten kommt von Thomas Mertke, dem Gebietsleiter der Naturwacht im Naturpark Dahme-Heideseen. „Der Naturpark war immer schon traditionell ein Naherholungsgebiet von Berlin“, sagt er. Die Natur in der Region sei ein großes Pfund, mit dem man wuchern könne. „Da passt der naturverträgliche Tourismus gut hinein.“ (gäd.)

 

Exponate für neue Ausstellung gesucht

Ab dem Frühjahr 2021 ist für die Galerie der Burg Storkow eine neue Sonderausstellung geplant. Die Wanderausstellung „Märkische Wanderer – unterwegs mit Stock, Klampfe, Rad und Boot“ zeigt historische Fotos aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom Wandern in der Mark. Das Team der Burg möchte diese Fotoausstellung ergänzen und mit den Geschichten der Storkower*Innen kombinieren. Dafür werden Fotoaufnahmen von damals und heute gesucht sowie alte Postkarten, Aufzeichnungen, Wanderführer und -karten, die die Wanderlust in der Region in und um Storkow dokumentieren. Ansprechpartnerinnen sind Jenny Jürgens und Sylvia Bartusch, Burg Storkow, Schloßstraße 6, 15859 Storkow (Mark), Telefon 033678 73108.