Die kommunalen Kassen leeren sich zunehmend. Viele Gemeinden stehen angesichts sinkender Einnahmen und steigender Ausgaben vor Haushaltssicherungskonzepten. Wo Storkow (Mark) 2026 steht und was in diesem und den nächsten Jahren passieren soll, darüber gibt Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig Auskunft.
Worin bestehen aktuell die größten Herausforderungen?
Die Rahmenbedingungen sind sehr anspruchsvoll: Steigende Kosten, knappe Ressourcen und komplexe Förderbedingungen haben uns gefordert. Das hat man in vielen Bereichen gespürt: in der Verwaltung, in den politischen Gremien, in Vereinen, Einrichtungen, Unternehmen und in unseren Ortsteilen. Und dann gibt es die ganz praktischen Herausforderungen wie ein neues Finanzprogramm in unserem Rathaus.
Warum war das so schwierig?
Das neue Finanzprogramm hat uns – ganz offen gesagt – ins kalte Wasser geworfen. Neue Software, neue Abläufe, neue personelle Konstellation in der Kämmerei – all das gleichzeitig. Trotzdem ist es uns gelungen, einen klar priorisierten und finanziell verantwortungsbewussten Haushalt aufzustellen – in echter Teamarbeit zwischen allen Verwaltungsabteilungen und natürlich den Stadtverordneten
Wie sieht nun der Haushalt ganz konkret aus?
Bei den städtischen Erträgen können wir trotz rückläufiger Umlagen insgesamt von einer leichten Steigerung ausgehen. Auf der Aufwandsseite steigen – wie überall – aufgrund der Tarifentwicklungen die Personalkosten sowie die Kosten für Sach- und Dienstleistungen. Besonders betroffen sind Reinigung und Entsorgung – Bereiche, in denen die Preise erheblich gestiegen sind. Trotz aller Sparzwänge möchten wir bis zu drei Stellen zusätzlich schaffen, davon ist eine fördermittelabhängig. Neu eingeplant ist u. a. eine Stelle im IT-Support sowie eine Teilzeitstelle für die Tourist-Information.
Wieviel Geld kann die Stadt ausgeben – und wofür ist es geplant?
Der Ergebnishaushalt umfasst rund 24 Millionen Euro. Wir planen Investitionen von etwa 5 Millionen Euro – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Stadt weiter in ihre Zukunft investiert. Damit schaffen wir beispielsweise im neuen Gewerbegebiet Neu Boston 3 Perspektiven – für Unternehmen, für Arbeitsplätze, für wirtschaftliche Stabilität. Mit dem geplanten Hortneubau und der neuen Schulmensa an der Europaschule stoßen wir zentrale Bildungs- und Betreuungsprojekte an. Dabei werden uns die rund 3,8 Millionen Euro aus dem Bundes-Sondervermögen sehr helfen. Dazu kommen Investitionen in die IT der Schule und der Verwaltung (ca. 150.000 Euro) und in den gesamtstädtischen Brandschutz (ca. 900.000 Euro) mit erheblichen Förderanteilen.
Welche Rolle spielen weitere Fördermittel im Haushalt?
Dank hoher Förderzusagen aus dem Leader-Topf der EU für den ländlichen Raum und vom Landkreis Oder-Spree können wir die Kita in Kummersdorf sanieren. Sie liegt mir besonders am Herzen, denn dort entstehen Gemeinschaft und Geborgenheit. Und auch für das Dorfgemeinschaftshaus mit Feuerwehr in Kummersdorf fließen Fördermittel, sodass wir dort den ersten Spatenstich in diesem Jahr feiern können. Für die Feuerwehrhäuser Görsdorf und Groß Schauen arbeiten wir weiter mit Nachdruck an Planung und Förderung.
Wie sieht es mit Fördermitteln für die Innenstadt aus?
Aus dem Städtebauförderprogramm „Lebendige Zentren“ (LZ) fließen Mittel, mit denen wir den neuen Innenstadtspielplatz gemeinsam mit den Menschen hier vor Ort gestalten können. Außerdem stehen die Weiterentwicklung des Bahnhofbereiches, zusätzliche Beleuchtung in der Altstadt und die Entwicklung des ehemaligen Helios-Geländes an. Damit zeigen wir: Wir denken Stadtentwicklung vorausschauend und verantwortungsvoll.
Sie hatten die Gestaltung des Bahnhofsumfeldes und die Grundstücksentwicklung Helios erwähnt. Wie geht es dort weiter?
Wir reden hier über ein echtes Zukunftsthema: Mobilität, Stadtbild und Lebensqualität verbinden sich am Bahnhof ideal – und er ist das Eingangstor zu unserer Stadt. Der Erwerb der Flächen am Bahnhofseingang war ein jahrelanger und zäher Prozess, der nun endlich abgeschlossen werden konnte.
Das Helios-Grundstück ist eine der größten innerstädtischen Entwicklungsflächen Storkows. Mit dem Konzept legen wir fest, welche Nutzung wir uns dort vorstellen – Wohnraum, soziale Infrastruktur oder andere stadtverträgliche Angebote.
Beide Projekte sind durch das Programm „Lebendige Zentren“ mit zwei Dritteln förderfähig – das gibt uns die Chance, strategische Weichenstellungen zu treffen, ohne den Haushalt stark zu belasten. Sie zeigen, dass wir Storkow so vorbereiten, dass es auch in 20 Jahren ein lebenswerter, moderner und attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort bleibt.
Aus vielen Kommunen ist zu hören, dass freiwillige Leistungen gekürzt werden müssen. Wie sieht das in Storkow aus?
Wir leisten uns viele freiwillige Aufgaben bei Bildung, Soziales, Kultur, Sport und Tourismus. Ich möchte betonen, dass dies eine wichtige Säule unserer Lebensqualität ist, die besonderes zur Identität Storkows beiträgt. Deshalb bleiben Tourismus und Freizeitgestaltung ein Schwerpunkt unserer Arbeit. Ein sichtbares Beispiel ist der geplante Umbau der Steganlage im Strandbad. Und wir brauchen Orte der Begegnung, der Bewegung und des Miteinanders, deshalb bereiten wir die Errichtung eines neuen Gebäudes auf dem Storkower Sportplatz vor. Dafür haben wir uns bereits in ein Interessenbekundungsverfahren für Fördermittel eingebracht.
Auch Mobilität gehört zu den freiwilligen Aufgaben, die Kommune und Landkreis haben. Im vergangenen Jahr war die Fortführung des Dalli-Busses ungewiss…
Der Kreistag hat die Weiterführung beschlossen, und auch wir als Stadt haben uns klar dafür eingesetzt. Viele Menschen nutzen Dalli im Alltag. Das Angebot ist ein gutes Beispiel dafür, wie moderne Mobilität im ländlichen Raum funktionieren kann – wenn Kommune, Kreis und Region gemeinsam an einem Strang ziehen.
Das ist ein gutes Stichwort: an einem Strang ziehen. Das tun viele Menschen in Storkow und seinen Ortsteilen und bringen damit nicht nur die Kommune insgesamt voran, sondern stiften Gemeinsinn vor Ort. Mit welcher konkreten Unterstützung können die Engagierten rechnen?
Auch in Zeiten der Haushaltsdisziplin bleiben unsere Ortsteile gut ausgestattet. Die Ortsteile erhalten ein allgemeines Budget in Höhe von 1.000 Euro plus 3,25 Euro pro Einwohner. Für Veranstaltungen stehen 500 Euro je Ort plus 1,89 Euro pro Einwohner zur Verfügung.
Das Budget für die Seniorenarbeit beträgt 20 Euro pro Person ab 65 Jahren plus 5.000 Euro für die Kernstadt. Das sind wichtige Mittel für Engagement, Ehrenamt und lebendige Orte.
Der kommunale Haushalt blickt weit über das aktuelle Jahr hinaus. Was steht in den kommenden Jahren in Storkow an?
Die Feuerwehr in Görsdorf beispielsweise, die aber nur mit Förderung ab 2027 gebaut werden könnte. Doch wir beginnen schon jetzt mit der Planung, denn: Wer vorbereitet ist, kann sofort starten, sobald Förderprogramme öffnen. Ebenso soll die Sportplatzanlage Birkenallee mit Fördermitteln erneuert werden. Auch für die Straße der Jugend Kummersdorf, ein klassisches Sandstraßenprojekt, soll eine umsetzungsfähige Gestaltungsvariante vorgestellt werden, um in den beiden kommenden Jahren in die Umsetzung zu gehen. Außerdem wird die Steganlage im Strandbad umfassend erneuert, ebenfalls mit Förderung.
Noch nicht finanziell hinterlegt, aber in Planung sind der Anbau an das Feuerwehrgebäude in Bugk, der Ausbau des Dachbodens im Rathaus für Archivräume, die öffentliche Toilette am Tiefsee in Limsdorf, das Rezeptionshaus am Naturcampingplatz Springsee, die PV-Anlage für die Europaschule und das Feuerwehrhaus Groß Schauen, aber da reden wir schon über das Jahr 2028.
(svs/dö)


