Stadtvillen und Reihenhäuser in Storkow sorgen für Ärger

Bungalows stehen auf dem von Bäumen und Sträuchern bewachsenen Areal an der Seepromenade. Ein Investor will dort bauen. Die Anwohner sind dagegen. Foto: Marcel Gäding
Bungalows stehen auf dem von Bäumen und Sträuchern bewachsenen Areal an der Seepromenade. Ein Investor will dort bauen. Die Anwohner sind dagegen. Foto: Marcel Gäding

An der Storkower Seepromenade und in der Karlsluster Straße ist ein neues Wohnviertel geplant. Doch die neuen Stadtvillen und Reihenhäuser sorgen für Ärger: Eine Bürgerinitiative stört sich unter anderem an der Höhe der Neubauten und spricht sich vehement gegen die Planungen aus.

Viele Jahre liegt eine rund 12.000 Quadratmeter große Fläche an der Seepromenade brach. Jetzt gibt es Pläne, das Areal am Großen Storkower See mit Reihen- und Mehrfamilienhäusern zu bebauen. Die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung haben sich mit einer knappen Mehrheit für das Vorhaben ausgesprochen, während es die in einer Bürgerinitiative organisierten Anwohner vehement ablehnen.

Wer vom Strand in Karlslust über die Seepromenade zum Seehotel läuft, kommt an einem zugewachsenen Gelände vorbei. Seit der Wende erobert sich die Natur das Grundstück zurück, wachsen Bäume und Sträucher. Doch damit dürfte es bald vorbei sein. Ein privater Investor erwarb das  rund 12.000 Quadratmeter große Areal  von einem privaten Eigentümer und will es bebauen. Die Rede ist von 20 Reihenhäusern sowie von fünf Stadtvillen, die sich jeweils über drei Geschosse erstrecken.

In ihrer Juni-Sitzung hatten sich die Storkower Stadtverordneten mit einer knappen Mehrheit für eine Bebauung am Storkower See ausgesprochen. Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig (SPD) steht hinter dem Vorhaben – auch wegen der starken Nachfrage nach Wohnraum in der Stadt. Sie wirbt für ein gesundes Wachstum. Schon jetzt gebe es bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft keinen Leerstand mehr.

Thomas Noethe erfuhr das erste Mal im April davon, dass in seiner Nachbarschaft groß gebaut werden soll. Im Briefkasten fand er einen Zettel von Gerd Strenge, der die Anlieger über die Pläne informierte und zu einem Treffen einlud. Schon die ersten Details ließen erahnen, in welchem Umfang gebaut werden soll. Daraufhin verfasste die frisch gegründete Bürgerinitiative Schreiben an die Bürgermeisterin und an die Stadtverordnetenversammlung. Parallel begannen die Initiatoren, 150 Unterschriften zu sammeln. „Wir haben uns nicht generell gegen eine Bebauung gestellt“, sagt Noethe. Doch die Neubauten müssten sich in die Umgebung einpassen, die in der Regel von Bungalows und anderthalbgeschossigen Einfamilienhäusern geprägt ist. „Stadtvillen passen da nicht in das Gefüge, schon gar keine drei- bis viergeschossigen Gebäude.“

Im Grunde handelt es sich bei dem Bauvorhaben um mehrere Projekte: Für die in der Karlsluster Straße geplanten Reihenhäuser existiert bereits ein Bebauungsplan. Dort könnte nach Angaben des Projektentwicklers Bauwert schon im kommenden Jahr mit dem Bau begonnen werden. Entlang der Seepromenade allerdings stehen die Planungen ganz am Anfang, wie Storkows Bauamtsleiter Christopher Eichwald sagt. „Der vom Investor vorgelegte Entwurf ist jetzt Grundlage für einen Bebauungsplan“, erklärt er. Bevor der aber in Kraft tritt, würden zunächst Behörden und Verbände, aber auch Bürger beteiligt. Sie haben Gelegenheit, in den kommenden Wochen ihre Einsprüche gegen das Vorhaben zu formulieren. Geprüft wird unter anderem, ob das Bauvorhaben in die ortsübliche Bebauung passt, wie es sich mit dem ruhenden und fließenden Verkehr verhält und wie groß der Abstand zum See sein muss. Der Bauamtsleiter betont jedoch, dass gerade im innerstädtischen Bereich neuer Wohnraum entstehen soll. „Die Seepromenade ist da nicht das einzige Projekt.“

Von der vom Gesetz her eingeräumten Bürgerbeteiligung wollen die Anwohner auch rege Gebrauch machen, wie Thomas Noethe ankündigt. „Wir werden alle Einspruch einlegen“, sagt er. Notfalls sollen auch das Landesumweltamt und das Bundesumweltamt eingeschaltet werden. Denn es gibt nicht nur Kritik an der Höhe der Neubauten, sondern auch an deren Nähe zum Seeufer. An der Seite der Gegner stehe seinen Angaben zufolge bereits ein Fachanwalt für Baurecht. Außerdem gebe es Kontakt zu einem großen Naturschutzverband. Bezweifelt wird seitens der Anwohner, dass ein solches Bauvorhaben notwendig ist, wie es die Stadtverwaltung darstellt. Auch fehle es an der notwendigen Infrastruktur in Form von Verkehrswegen, Kita- und Schulplätzen sowie der „ausreichenden Bereitstellung von Pflegedienstleistungen“. Storkows Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig hält dagegen: Es gebe Pläne, den städtischen Hort sowie den Campus der Europaschule zu erweitern, zudem eröffne in absehbarer Zeit im Ortsteil Küchensee eine neue Kindertagesstätte. Private Pflegedienste hätten überdies Standorte in der Stadt ausgebaut und erweitert. Dass die Stadt Zuzug verzeichnet, lasse sich aus den Zahlen belegen: So war davon die Rede, dass die Zahl der Storkower zurückgeht. Doch die Realität sehe anders aus: „Tatsächlich aber hatten wir in den vergangenen fünf Jahren einen Zuwachs von 3,7 Prozent.“ Im Rathaus gebe es zudem immer wieder Anfragen von Familien und Paaren aus Berlin, die auf der Suche nach einer Wohnung oder einem Haus in Storkow sind. (gäd.)

Informationen zur Planung an der Seepromenade sowie das Protokoll einer Informationsveranstaltung sind im Internet abrufbar:
www.storkow-mark.de/bauleitplanung