Viere wirbeln für den „Dritten Ort“ / Lange Nacht am 3. April

Im kommenden Jahr feiert die alte Dame ihren 80. Geburtstag – doch dank eines motivierten Teams ist die Stadtbibliothek Storkow jung geblieben.

Das Konzept als „Dritter Ort“ geht in der Einrichtung auf der Burg Storkow voll auf. Dritte Orte – das sind die Orte, an denen man sich jenseits vom Wohn- und Arbeitsort aufhält. In der Bibliothek ist längst viel mehr als Lesen und Bücherleihe möglich. Seit 2001 ist sie auf der Burg Storkow beheimatet – und seitdem stehen neben dem Büchermagazin auch der große Saal, die Küche, ein kleiner Saal zum Arbeiten und viele Sessel zur Verfügung. Sogar geschlafen wird dort: bei Lesenächten.

„Wir sind nichtkommerziell und niedrigschwellig“, sagt Leiterin Petra Kather. Gemeinsam mit ihrem Team hat sie verschiedene Angebote entwickelt, um immer wieder neue Menschen anzulocken. Rund 14.000 sind es pro Jahr, die die Bibliothek besuchen – zu den Lesenächten (für angemeldete Schulklassen), zu Lesungen und Vorlesestunden für die ganze Familie, zu Halloween- oder Lego-Nachmittagen, zum Bilderbuchkino und vielem mehr.

Verantwortlich dafür ist der Medienpädagoge Axel Grossmann. „Das spricht sich herum, wenn es den Gästen Spaß macht“, sagt er. Und so seien viele Events gut nachgefragt. Neben dem leseaffinen Publikum erreiche man durch Aktionen mit Schulen auch Kinder, die selten ein Buch in die Hand nehmen. „Kinder sind so begeisterungsfähig“, sagt Petra Kather, da könne man früh ihr Interesse für Bücher wecken. Dazu trage der Bibo-Führerschein bei, der in der Vorschule erworben werden kann.

Aber auch das Kerngeschäft betreibt das Team intensiv. „Wir haben einen handverlesenen Buchbestand“, sagt die Chefin – viel mehr Platz sei gar nicht. Und so baut sie auf „jahrzehntelange Erfahrung bei der Recherche“, um stets den Geschmack des Publikums zu treffen. Dazu gehören das Lesen unzähliger Rezensionen und Besuche auf der Buchmesse.

„Die gesellschaftlichen Veränderungen gehen nicht mehr in einem Rhythmus von 5 bis 10 Jahren vor sich, sondern gefühlt im Jahrestakt“, sagt Petra Kather. Da müsse man auf der Höhe der Zeit bleiben – und neben Büchern auch digitale Medien, Streamingdienste und mehr anbieten. Knapp 46.000 Entleihungen gibt es pro Jahr, bei rund 1.400 regelmäßigen Nutzern. Am liebsten werden Krimis und Familiensagas gelesen, aber auch Debüt-Romane gehen gut, so die Erfahrung der Storkower Bibliothekare. Inhaltlich lägen die Vorlieben bei „gesellschaftlich relevanten Themen, verwoben mit persönlichen Schicksalen“, weiß Perta Kather.

Dörthe Ziemer