„Frieden und Freiheit gibt es nicht zum Nulltarif“

Alle drei Jahre wechselt die Spitze der Kurmark-Kaserne Storkow. Oberstleutnant Maik Schröder ist seit März im Dienst und leitet das Informationstechnikbataillon 381. Allerdings nicht als Unbekannter.

Sie haben am Standort Storkow vor zehn Jahren schon einmal als Kompaniechef gedient. Was hat sich in dieser Zeit in der Kaserne, aber auch in der Stadt verändert?
Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig war schon im Amt und die Zusammenarbeit mit der Stadt war damals schon herausragend. Also sehe ich da eher eine Konstante. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir so viel Wertschätzung erfahren. Das möchte ich unbedingt so aufrecht erhalten. Zugleich erleben wir eine unfassbare Dynamik in den Streitkräften: Wir wachsen wieder. Wir betreiben viel Aufwand dafür, junge Menschen zu gewinnen.

Mit welchen Aufgaben und Erwartungen haben Sie Ihren Dienst im März angetreten?
Ich bin seit über 27 Jahren Soldat und wollte gern Führung übernehmen. Und ich wusste, dass es viel Arbeit bedeutet, wenn man Verantwortung für so viele Menschen trägt. Wir sind rund 700 Soldatinnen und Soldaten hier im Bataillon. Hinzu kommen die Kollegen aus weiteren Einrichtungen in der Umgebung. Wir sprechen also von rund 1000 Personen. Als Aufgabe ist beispielsweise der neue Wehrdienst hinzugekommen. Am 1. Oktober kommen neue Rekruten, wir haben einen neuen Containerbau – Wohnraum für über 200 Soldaten. Von 18 bis 48 Jahren reicht die Altersspanne. Die Jungen starten in den Wehrdienst und manche Ältere wollen sich beruflich neu orientieren.

Sie haben zuletzt als Referent im Verteidigungsministerium gearbeitet. Welche Erfahrungen von dort möchten Sie in Storkow gern einsetzen?
Ich war persönlicher Referent des Abteilungsleiters Innovation und Cyber. Dort habe ich Einblicke bekommen, die man sonst nicht hat. Wir hatten viele Themen und Projekte auf dem Tisch, die uns heute hier vor Ort bewegen, darunter IT-Systeme, die ich dort auf Projektebene kennengelernt habe. Dieses Hintergrundwissen kann ich hier gut einsetzen.

Das Land und die Bundeswehr stehen vor dem Hintergrund der aktuellen Kriege in der Welt und insbesondere in Europa vor großen Herausforderungen. Welchen Beitrag leistet das ITBtl 381, um diese zu meistern?
Wir in Deutschland sind Drehscheibe der Nato, also Aufmarschgebiet, sollte es zu einem Angriff kommen. Das ist also ein Beruf mit sehr ernsten Seiten. Im Rahmen des definierten Kräftebeitrags im Bündnis ist unsere Aufgabe die Führungsunterstützung. Alles, was Kommunikation betrifft, also Satellitentechnologie, verlegefähige Rechenzentren, dezentrale Serversegmente, Services wie Sprache, Daten oder Funktechnologie stellen wir bereit. Wir sind quasi die Telekom der Bundeswehr. Ohne diese Dinge funktioniert Kriegstechnik heute nicht mehr.

Es gibt aktuell auch großen Widerstand gegen Investitionen in die Verteidigungsfähigkeit des Landes. Was würden Sie Kritikern gern sagen?
Mein letztes Gespräch dazu hatte ich erst kürzlich, bei unserer Einschulungsaktion. Ein Bürger kam mit einem kritischen Transparent. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, ihn zu fragen, wie er zu seiner Meinung kommt. Es war ein super sachlicher Austausch. Seine Sichtweise war, dass man so viel Geld lieber woanders investieren solle. Ich sehe das anders: Viele Jahre hat sich die Bundesrepublik nicht mehr um die Streitkräfte gekümmert, weil wir dachten, dass wir nur noch von Freunden umgeben sind. Jetzt sehen wir, wie fragil eine sicherheitspolitische Lage sein kann und wie wichtig Sicherheit ist.

Können Sie das näher erläutern?
Wir sind die drittgröße Volkswirtschaft der Welt, befinden uns mitten in Europa und sind Exportnation, also auf Handelswege angewiesen. Deshalb brauchen wir Investitionen in unsere Sicherheit. Wir können uns dem nicht mehr entziehen. Frieden und Freiheit gibt es nicht zum Nulltarif. Wir als Soldaten sind nicht fürs Kriegführen, im Gegenteil: Wir setzen alles daran, dass wir den Frieden sichern. Und wir kämpfen übrigens dafür, dass dieser Bürger in einer freien, offenen Gesellschaft seine Meinung genau so ausdrücken kann.

Sicherheitsfragen sind in unserem Alltag präsenter denn je, vom Nachhauseweg der Kinder bis zu häuslicher Sicherheit für Senioren. Wie schalten Sie persönlich auch mal ab?
Da habe ich die gleichen Ängste wie andere Menschen auch. Ich bin Vater einer neunjährigen Tochter, war früher Fußballtrainer. Ich werde im Freundeskreis immer wieder auf solche Fragen angesprochen. Deshalb schalte ich nie so richtig ab. Was hilft, ist zu reisen, viel Sport zu machen, mit der Familie etwas zu unternehmen und so Abstand zu gewinnen. Ich bin also auch Privatperson und Staatsbürger, aber so richtig bekommt man die Uniform am Ende nicht aus. Das bleibt ein Spagat.

Es fragte: Dörthe Ziemer

Weitere Infos: bundeswehr.de/de/organisation/cyber-und-informationsraum

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