Gaming, Cybermobbing, Social Media, TikTok-Challenges: Was klingt wie ein Englisch-Kurs, ist Lebensrealität vieler junger Menschen und birgt häufig Gefahren. Darüber aufzuklären, ist die Aufgabe von Sabine Schmelz, Medienpädagogin der Stadt Storkow und Jugendkoordinatorin für die Ortsteile.
„Hinten herum Wissen vermitteln“ – so beschreibt Sabine Schmelz ihre Arbeit. Wenn sie mit Jugendlichen kocht, dann bereitet sie die Rezepte und den Prozess auch in Fotos und Videos auf. Und dabei weist sie auf Gefahren hin, die in Apps lauern können. Oder sie hört genau hin, womit sich Jugendliche gerade beschäftigen und ob sie Probleme im Internet haben. Immer wieder gebe es Cyber-Mobbing, also Beleidigungen und Bloßstellungen in digitalen Gruppen.
Präventiv zu wirken, bedeutet dabei, das Reflexionsvermögen der Jugendlichen zu schulen: Was kann passieren, wenn ich dieses oder jenes poste? Wie kommt ein Satz beim Klassenkameraden an, wenn ich ihn in eine Gruppe schreibe und ihn nicht meinem Gegenüber direkt sage?

„Medienpädagogik im Kleinen“ nennt Sabine Schmelz dieses Konzept, denn in Projekte zu diesem Thema kommen Jugendliche eher weniger, und auch Aufklärungsabende für Eltern seien nicht so gut besucht, sagt sie. Doch komme es gerade darauf an, dass Eltern wissen, was ihre Kinder im Internet tun. Dabei gehe es nicht um Kontrolle, sondern um Interesse an der Themen- und Medienwelt der Kinder, so die Sozialarbeiterin. „Jugendliche zeigen eher mir etwas auf dem Handy, was ihnen Sorgen bereitet, als ihren Eltern“, erzählt sie. Sie lasse sich auch Spiele von den Jugendlichen beibringen. „Es geht darum, sie ernst zu nehmen bei dem, was sie auch spielerisch-gestalterisch da machen.“
Bei all dem kann sie auf mögliche Gefahren hinweisen. Häufig werde nach Aufklärung im Unterricht gerufen, doch dort passiere nicht genug, ist ihre Erfahrung. „Es gibt viel Unwissen“, sagt sie. Auch die Fähigkeiten, die Jugendliche auf dem Handy gelernt haben, auf den Computer zu übertragen, sei immer wieder eine große Herausforderung.
Dies alles waren Gründe, dass sich die Jugendsozialarbeiterin in insgesamt 250 Stunden zur Medienpädagogin ausbilden ließ. Und sie muss am Ball bleiben, denn ständig gibt es neue Apps, Spiele und Trends. Seit 2023 wirkt sie nun in der Aufgabe und ist dankbar, dass die Stadt die Ausbildung finanziert hat und der Landkreis einen Stellenanteil fördert.
Ein neues Projekt ist eine Club-App, die alle Jugendlichen in der Stadt nutzen können. So sind sie immer über alle Angebote in der Stadt informiert, können eigene Ideen einbringen und sich beispielsweise an Umfragen beteiligen. „Und wir erreichen die Jugendlichen in ihrer konkreten Lebenssituation“, sagt Sabine Schmelz, und zwar zielgerichteter und flexibler als über andere Kanäle. „Das Handy ist das Weltaneignungsgerät der Kinder geworden, sie konsumieren darüber Nachrichten, kommunizieren damit und spielen damit“, so die Medienpädagogin. Deshalb gehe es nicht darum, die Nutzung einzuschränken, sondern sie reflektiert zu gestalten.
Auch für Eltern, die Rat suchen, steht Sabine Schmelz bereit. Künftig möchte sie auf der städtischen Homepage noch mehr Infos und Links geben, wo man sich zum Mediennutzungsverhalten junger Menschen informieren und wo man im Notfall auch Hilfe finden kann.
Dörthe Ziemer
KONTAKT:
Sabine Schmelz
Jugendsozialarbeiterin Ortsteile
Medienpädagogin
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